Anton Kerner von Marilaun

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Porträt Anton Kerner von Marilaun, Lithographie von R. Fenzl, 1895.[1]

Anton Kerner, Ritter von Marilaun (* 12. November 1831 in Mautern, Niederösterreich; † 21. Juni 1898 in Wien) war ein österreichischer Botaniker und Universitätsprofessor. Er gilt als einer der Mitbegründer der Pflanzensoziologie. Das Denkmal Anton Kerner von Marilaun wurde von Edmund Hofmann von Aspernburg geschaffen und im Auftrag des Unterrichtsministeriums im Wintersemester 1907/08 im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt.

Leben

Anton Kerner ist am 12.11.1831 in Mautern, Niederösterreich als zweiter Sohn des Oberamtmannes und Schlossverwalters Josef Kerner geboren. Er besuchte das Gymnasium in Krems, schon zu dieser Zeit interessierte er sich sehr für die Pflanzenwelt und Naturbeobachtung. Auf Wunsch seines Vaters ging er 1848 nach Wien, um dort an der Universität Medizin zu studieren. Während seiner Studienzeit widmete er sich seiner Lieblingsbeschäftigung, der Botanik. 1854 wurde er zum Doktor der Medizin und Chirurgie promoviert. Die grauenvollen Bilder, die die Choleraepedemie aus dem Jahr 1855 mit sich brachte, war der Grund, warum sich Anton Kerner von der Medizin abwandte. Er legte die Lehrbefähigungsprüfung für Naturgeschichte ab und und unterrichtete ab 1855 an einer Oberrealschule in Ofen, Ungarn. 1858 war er Professor am Josefs-Polytechnikum im selben Ort. Kerner wurde 1860 von der Universität Innsbruck auf einen Lehrstuhl für Botanik berufen. Tirol wurde seine zweite Heimat, wo er die glücklichsten Jahre seines Lebens verbrachte. 1862 vermählte er sich mit Maria Ebner von Rofenstein, die Ehe währte 36 Jahre lang.[2] Im Tiroler Hochgebirge konnte er viele Alpenblumen erforschen, er galt bald als einer der besten Kenner der Alpenflora. 1874 wurde Kerner durch Erhebung in den Adelsstand als "Ritter von Marilaun" geehrt. Im Jahr 1878 arbeitete er als Direktor des Botanischen Gartens und als Ordinarius an der Universität Wien.

Sein Nachfolger in Wien als Ordinarius und Direktor des Botanischen Gartens war Richard Wettstein, der gleichzeitig sein Schwiegersohn war, da er Anton Kerners Tochter Adele heiratete. In Wien wurde Kerner 1895 der Hofratstitel und das österreichische Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft verliehen, die höchste Auszeichnung, die Österreich für wissenschaftliche Leistungen zu vergeben hatte.[3] Am 21.06.1898 starb Anton Kerner von Marilaun durch einen Gehirnschlag in Wien.

In einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof ruht Anton Kerner von Marilaun. In Wien Landstraße (3. Bezirk) wurde im Jahr 1990 die Marilaungasse nach ihm benannt. [4]

Schaffen

Anton Kerner von Marilaun war der erste, der in den Gebirgen von Innsbruck Versuchsgärten anlegte, um die Entwicklungsgeschichte der Alpenpflanzen studieren zu können. Er kam zu der Erkenntnis, dass die Pflanzen bastardisieren und dass diese Bastarde die Fähigkeiten haben, sich selbstständig durch eigene Samen zu vermehren. Daraus ergibt sich, dass die Entstehung neuer Pflanzenformen möglich sei. Weiters beschäftigte er sich mit den Blüteneinrichtungen der Pflanzen und wurde somit zum Begründer der Blütenbiologie. Einen Großteil seiner Beobachtungen hielt er in seiem "Pflanzenleben", das aus drei Bänden besteht, fest. Mit dem Stickstoffgehalt der Pflanzen befasste sich Kerner ebenfalls und fand 1875 heraus, dass Pflanzen aus dem Boden Amoniaksalze als Stickstoffquelle benützen. Außerdem war er sehr interessiert an der Forschung der Schimmelpilze und war nah dran, die Wirkung des Penicillins herauszufinden. Tatsächlich wurde Penicillin erst einige Zeit später von Alexander Fleming entdeckt. Kerner analysierte Pflanzengesellschaften und ermittelte ökologische Bedingungen, denen sie unterworfen sind. 1863 wurde er durch sein Werk "Das Pflanzenleben der Donauländer" zum Begründer der Soziologie der Pflanzen. In der Universität Wien baute er das Botanische Museum auf, außerdem ist ihm die völlige Erneuerung und Umgestaltung des Botanischen Gartens zu verdanken. Während seiner Laufbahn entdeckte er selbst 60 neue Pflanzenarten.[5]

Werke

  • Niederösterreichische Weiden. Ueberreuter, Wien 1860.
  • Das Pflanzenleben der Donauländer, 1863; Pflanzenleben; 2 Bände, 1888/91.
  • Die Cultur der Alpenpflanzen. Wagner, Innsbruck 1864.
  • Novae plantarum species Tiroliae, Venetiae, Carnioliae, Carinthiae Styriae et Austriae. Innsbruck.
  • Die botanischen Gärten, ihre Aufgabe in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Innsbruck 1874.
  • Die Schutzmittel der Blüten gegen unberufene Gäste, Wien 1876.
  • Flowers and their unbidden guests. C. K. Paul & Co., London 1878.
  • Pflanzenleben. 1890–1891 (2. Auflage 1896–1898, 3. Auflage von Carl Adolph Hansen 1913–1916).
  • Schedae ad Floram exsiccatam Austro-Hungaricum. 1881–1913 (Band 8–9 von Karl Fritsch, Band 10 von Richard Wettstein).

Einzelnachweis

  1. Bildarchiv ÖNB via http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Biographien/Kerner%2C_Anton%2C_Ritter_von_Marilaun/
  2. Kainz 1967. S. 46
  3. Kainz 1967. S. 48
  4. Kerner, Anton, Ritter von Marilaun. Austria-Forum, abgerufen 8. April 2014
  5. Kainz 1967. S. 46-48

Literatur

  • Kainz 1967: Erna Kainz, Der Botaniker Anton Kerner von Marilaun - ein berühmter Mauterner in: Aus der Heimat. Kulturbeilage zum Amtsblatt der BH Krems, 1967, 12 und 1968, 2.
  • Constantin von Wurzbach: Kerner, Anton Joseph. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 11, Verlag L. C. Zamarski, Wien 1864, S. 191 f.
  • Richard Wettstein: Anton Kerner von Marilaun (Nekrolog). In: Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Nr. 16, Berlin 1898, S. 43–58 (Digitalisat).
  • Ernst Wunschmann: Kerner von Marilaun, Anton Ritter. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 51, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 122–125.
  • Ernst Moriz Kronfeld: Anton Kerner von Marilaun - Leben und Arbeit eines deutschen Naturforschers. Verlag Chr. Herm. Tauchnitz, Leipzig 1908 (Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. R. von Wettstein, Digitalisat).
  • Maria Petz-Grabenbauer, Michael Kiehn: Anton Kerner von Marilaun. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3302-2 (Verlagskatalog).

Weblinks

Darstellungen


Stefanie Pernicka, Katharina Anzböck