Anton Hanak

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Anton Hanak.

Anton Hanak (geb. 22. März 1875 in Brünn, gest. 7. Jänner 1934 in Wien) ist einer der bedeutendsten österreichischen Bildhauer der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert. Im Arkadenhof der Universität Wien schuf er das Denkmal für Emil Zuckerkandl.

Leben

Anton Alois Hanak kam am 22. März 1875 in Brünn zur Welt, sein Vater Johann Hanak war Zimmermaler und Vergolder. Nach Beendigung der Schulpflicht kam der 14-jährige Hanak nach Wien.[1] Als er zum ersten Mal das Denkmal zu Ehren von Wilhelm von Tegetthoff (1827-1871) am Praterstern (1886), geschaffen von dem Architekten Karl von Hasenauer (1833-1894) und dem Bildhauer Carl Kundmann (1838-1919) sah, war er dermaßen beeindruckt von dem Werk, dass er sich entschied ein Bildhauer zu werden.

In den Jahren 1889-1893 absolvierte Hanak eine Holzbildhauerlehre in Wien, dannach ging er bis 1898 auf Wanderschaft in Deutschland, Böhmen, Slowakei und Ungarn. Im selben Jahr begann er das Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste und nahm bei Edmund Hellmer am Kurs für Modellieren nach der Natur in Ton teil (bis 1904).[2]

In den Jahren 1904-1905 bereiste er Italien; besuchte unter anderem Venedig, Padua, Florenz, Rom, Neapel und Triest. Nach seiner Rückkehr nach Wien 1906 wurde Hanak ein Mitglied der Wiener Secession und zeigte seitdem an den Secessionsaustellungen regelmäßig seine Werke, die oft seitens des Publikums wie auch anderer Künstler stark kritisiert wurden, "unverstanden" verlässt Hanak letztendlich 1910 die Secession.[3] Im Jahr 1906 begann auch die Freundschaft mit seinem späteren Mäzenen Otto Primavesi, der aus einer Olmützer Großindustriellenfamilie stammte, für die Hanak mehrere Werke schuf. Mit Gustav Klimt und Josef Hoffmann verband Hanak eine tiefe Freundschaft. Für viele Bauten von Hoffmann schuf er die skulpturale Ausschmückung, wie etwa bei der Villa Skywa-Primavesi in Wien-Hietzing.

1907-1932 unterrichtete er an der Wiener Kunstgewerbeschule. 1932 wurde er zum ordentlichen Professor für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste berufen. Zu seinen Schülern zählten unter anderem Fritz Wotruba, Rudolf Reinhart, Angela Stadtherr, Franz Hagenauer, Ilse Pompe-Niederführ, Margarete Hanusch und Hans Baier.

Hanak war mit Juliane Janiczek verheiratet (die Eheschließung fand am 25. März 1900 statt).[4]

Im Salon der Bertha Zuckerkandl-Szeps verkehrte er mit zahlreichen anderen Musikern, Gelehrten, sowie Künstlern.[5]

Am 7. Januar 1934 starb Hanak an einem Herzinfarkt in Wien, seine Ruhestätte befindet sich auf dem Hietzinger Friedhof in Wien. (Gruppe 5, Nummer 120)

Schaffen

Hanaks Entwicklung ist schon alleine deshalb beachtenswert, als dass er künstlerisch einen anderen Weg nimmt, als seine Mitschüler aus der Akademie-Zeit, wie etwa Heinrich Zita, Josef Müllner oder Alfred Hofmann. Zunächst noch vom Stil seine Lehrers Edmund Hellmer geprägt, distanzierte er sich mit der Zeit von ihm und suchte nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Von Hellmer übernahm er vor allem die Fähigkeit aus dem Material heraus zu komponieren. In der Folge übernahm jedoch Auguste Rodin die Vorbildfunktion für Hanak. Insbesondere die Auffassung des französischen Bildhauers, dass der Körper nicht nur Träger von Emotion sei, sondern auch von Bewegung, beziehungsweise dass diese auch Emotion ausdrücke. Eine Auffassung, die sich gegen die klassizistische Erstarrung der Plastik wendete.[6]

1903 erfolgte für Hanak der erste öffentliche Auftrag für eine Gedenktafel in weißem Marmor für die Königin Victoria von England in der Christ Church im dritten Bezirk.[7] Wichtige Mäzene und Förderer Hanaks waren der Wiener Reichsratsabgeordnete Eduard Skála und die Industriellen-Familie Primavesi aus Olmütz, für die er unter anderem eine Porträtbüste der Mäda Primavesi, einen Wandbrunnen als auch ein Grabmal schuf. 1905 stellte Hanak in XXII. Secession-Ausstellung seine Skulptur Die Zukunft aus. Diese überzeugte das Publikum mit seinen sinnlichen Oberflächenreizen und seiner weichen Modellierung. Sie wurde später in der Münchner Secession ausgestellt und von der dortigen Glyptothek sogar erworben.[8]

Inspiration fand Anton Hanak auch in der attischen, sowie in der altägyptischen Skulptur. Hiervon zeugen etwa die Ewigkeit von 1909 (die weibliche Sitzfigur für das Primavesi-Grabmal), der Jüngling von 1909 oder der Gigant von 1910.

Internationale Anerkennung bekam ab 1910 Hanak in zahlreichen Kunstzeitschriften. Es folgten für ihn Teilnahmen an Ausstellungen im Ausland: 1911 an der römischen Kunstausstellung, für die Hanak die Figurengruppe Die schöpferische Kraft schuf, 1914 am österreichischen Pavillon der Werkbundausstellung in Köln mit dem Schöpfer und der Verklärten, 1917 an der österreichischen Ausstellung in Kopenhagen. In den 1910er näherte sich Hanak eindeutig der expressionistischen Plastik an. Beispiele hierfür sind etwa der letzte Mensch oder der brennende Mensch. Ausschlaggebend für diesen Stilwandel waren die Erfahrungen des ersten Weltkriegs, sowie sein erster physischer Zusammenbruch 1915.[9]

Zu Hanaks Œuvre zählen zahlreiche Standskulpturen, Porträtbüsten und Denkmäler, er schuf Fassadenreliefs für Bauten Josef Hoffmanns wie auch eine Reihe von Plastiken für Wohnbauten der Gemeinde Wien. Bei seinen Denkmälern war Hanak stets daran interessiert auch die Persönlichkeit des Geehrten zu zeigen, wie etwa beim Denkmal für Emil Zuckerkandl.[10] Er hat außerdem an zahlreichen, am Ende nicht realisierten Denkmälern gearbeitet. Hierzu zählen das Projekt eines Goethe-Denkmals in Chicago 1909, des Telegrafen-Denkmals in Bern 1910/11, eines Bismarck-Denkmals in Linz 1910, oder eines Denkmals der Musik in Brünn. Zwar bekam er für seine Entwürfe stets Lob, wurde jedoch letzendlich abgewiesen. Für das am Rathaus geplante Lueger-Denkmal lieferte er ebenfalls einen Entwurf.[11] Sein letztes großes Denkmalprojekt waren die beiden monumentalen Standfiguren für das Emniyet-Denkmal in Ankara, das von seinen Schülern fertiggestellt wurde.[12]

1970 wurde das Hanak-Museum in Langenzersdorf eröffnet und im Mai 2014 nach einer Generalsanierung wiedereröffnet. Es befasst sich insbesondere mit dem Schaffen Hanaks und seinen Schülern.

Werke (Auswahl)

  • 1901 Gebrochene Kraft
  • 1901 Büste von Eduard Skála, St. Pölten, Niederösterreichisches Landesmuseum
  • 1904 Zukunft, Regensburg, Ostdeutsche Galerie
  • 1906 Thomas Ekel, St. Pölten, Niederösterreichisches Landesmuseum
  • 1910 Der Gigant
  • 1915-23 Denkmal für Emil Zuckerkandl, Wien, Arkadenhof der Universität
  • 1917 Der letzte Mensch
  • 1922 Der brennende Mensch
  • 1925 Kriegerdenkmal Schmerzensmutter auf dem Zentralfriedhof Wien
  • 1928 Büste Victor Adler für das Denkmal der Republik
  • 1936 Vertrauens- und Sicherheitsdenkmal (Emnyet-Denkmal) in Ankara (Vorderseite, postum beendet)

Literatur

  • Grassegger/Krug 1997: Friedrich Grassegger und Wolfgang Krug: Anton Hanak (1875-1934), Böhlau/Wien 1997.
  • Kapner 1984: Gerhardt Kapner, Anton Hanak. Kunst- und Künstlerkult. Ein Beispiel, Wien-München 1984.
  • Steiner 1969: Hedwig Steiner, Anton Hanak. Werk, Mensch und Leben, München 1969.

Einzelnachweise

  1. Steiner 1969, S. 9-17.
  2. Grassegger/Krug 1997, S. 28 und 535.
  3. Grassegger/Krug 1997, S. 536.
  4. Steiner 1969, S. 23.
  5. Michael Schulte, Berta Zuckerkandl. Saloniere, Journalistin, Geheimdiplomatin, Zürich 2006, S. 90.
  6. Grassegger/Krug 1997, S. 40-43.
  7. Grassegger/Krug 1997, S. 45.
  8. Grassegger/Krug 1997, S. 52. Steiner 1969, S. 35.
  9. Grassegger/Krug 1997, S. 84-97.
  10. Grassegger/Krug 1997, S. 99.
  11. Grassegger/Krug 1997, S. 99-104.
  12. Grassegger/Krug 1997, S. 288-305. Steiner 1969, S. 104-105.

Weblinks

Darstellungen


Hanna Sumislawska-Glessner, Cigdem Özel