Andreas Josef von Stifft

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Porträt Andreas Josef von Stifft, Mahnke, 1822, ©ÖNB.

Andreas Joseph von Stifft, (*30. 11. 1760 in Röschitz, Niederösterreich; † 16. 6. 1836 im Schloss Schönbrunn, Wien) war Mediziner und kaiserlicher Leibarzt am Wiener Hof, sowie von 1803-34 Präses und Direktor der Medizinischen Fakultät an der Universität Wien. Während dieser Zeit wurde das Medizinwesen an der Universität Wien weitreichend reformiert. Im Jahr 1889 wurde im Arkadenhof der Universität Wien das Denkmal für Andreas Josef von Stifft enthüllt.

Leben

Stifft studierte an der Universität Wien Medizin und war nach seiner Ausbildung zunächst praktischer Arzt. 1795 wurde er zum zweiten Stadtphysicus von Wien und 1796 zum Hofarzt bestellt. In den Jahren 1799–1835 wurde er Leibarzt von Kaiser Franz I.(1768 – 1835) und Stifft bekleidete nicht nur das Amt des Protomedicus, sondern auch weitere Funktionen an der medizinischen Fakultät der Universität Wien, an der Gesamtuniversität und im öffentlichen Gesundheitswesen. [1] Stifft führte neue Studienpläne an der medizinischen Fakultät ein, diese in den Jahren 1804, 1811 und 1833. Ab 1811 erschienen die von ihm mitbegründeten „Medicinischen Jahrbücher des k. k. österreichischen Staates“. Stiffts Reformen waren nicht für alle Professoren an der Universität vorteilhaft, denn er führte Kontrollen durch und ließ solche mit abweichenden Lehrmeinungen entlassen. So betrieb er die Absetzung und Entlassung von politisch als nicht zuverlässig oder als zu innovativ eingestuften Professoren, was zu einer schleppenden Weiterentwicklung des Unterrichts an der Medizinischen Fakultät in Wien führte. Die Universität erlitt dadurch erheblichen wissenschaftlichen Schaden und Vorarbeiten die unter anderem von Gerard van Swieten und Josef Quarin geleistet wurden, rückten in den Hintergrund.[2] 1807 schuf er zur Förderung der praktischen Chirurgenausbildung nach dem Vorbild der med.-chirurg. Militärakademie im Josephinum ein ziviles Operateur-Institut im Wiener AKH. 1814 wurde er schließlich in den Freiherrnstand erhoben und 1838 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Seine Funktion als kaiserlicher Leibarzt legte er im Jahr 1834 nieder. Er starb zwei Jahre später und wurde am Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab beerdigt. [3]

Schaffen

Auf Andreas Josef Freiherr von Stifft geht die Fachdifferenzierung innerhalb der Medizin und Chirurgie zurück. Im Jahr 1804 begründete er die Lehrkanzel für Gerichtsmedizin. [4] Er war kaiserlicher Leibarzt, begleitete den Kaiser auch auf Feldzügen und war sehr engagiert bei der Errichtung eines Sanitätskorps zur Hilfe der verwundeten Soldaten. [5] Stifft propagierte außerdem die Kuhpockenimpfung und trug wesentlich zur Gründung des Wiener Polytechnikums bei.

Die gründliche Reform des Medizinwesens ist eines seiner Hauptverdienste. Durch das Vertrauen des österreichischen Kaisers mit großer Macht ausgerüstet gelang es ihm wesentlich nach seinen Entwürfen eine Neugestaltung des medizinisch-chirurgischen Studiums an allen Lehranstalten der Monarchie vorzunehmen, neue Lehrstühle zu errichten, eine Studien-Hofkommission zu organisieren und weitreichende Reformen vorzunehmen. [6]

Stifft veranlasste die Tierärztliche Hochschule aus der militärischen Verwaltung herauszunehmen und sie der Studienhofkommission zu unterstellen. [7]

Schriften

  • 1790 - 1792 ein zweibändiges Werk mit dem Titel Praktische Heilmittellehre
  • ab 1811 Mitherausgeber der „Medicinischen Jahrbücher der k. k. österreichischen Staaten“

Einzelnachweise

  1. Schmidt-Wyklicky 2010, S. 257.
  2. Schmidt-Wyklicky 2010, S. 257f.
  3. http://www.viennatouristguide.at/Friedhoefe/Zentralfriedhof/Index_00_%20Bild/00_stifft_64.htm
  4. Schmidt-Wyklicky 2010, S. 257.
  5. Wurzbach 1879, S. 10.
  6. „Stifft, Andreas Joseph Freiherr von“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 216–217
  7. Schmidt-Wyklicky 2010, S. 257f.

Literatur

  • Schmidt-Wyklicky 2010: Österreichische Akademie der Wissenschaft (Hrsg.), Österreichisches Biographisches Lexikon ÖBL, Band 13: Spanner – Stulli, Wien, 2010, S. 257-258.
  • Wurzbach 1879: Constantin Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich – Neunundreißigster Teil – Stifft – Streel, Wien 1879.

Weblinks

  • ÖBL Eintrag zu Stifft, abgerufen am 12. August 2013
  • Lexikoneintrag bei Wurzbach, abgerufen am 12. August 2013
  • „Stifft, Andreas Joseph Freiherr von“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 216–217, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource [1]

Darstellungen

  • Porträtbüste Andreas Josef von Stifft, Franz Klein, 1826, Arkadenhof der Universität Wien
  • Medaille zur Genesung Kaiser Franz I mit einem Porträt von Andreas Josef von Stifft, Nikolaus Lang, 1826
  • Medaille zum 50-jährigem Doktorjubiläum, Joseph Daniel Böhm, Bronze, 1834
  • Porträt Andreas Josef von Stifft, Zeichnung: Letronne 1817, Stich: Kininger 1818
  • Porträt Andreas Josef von Stifft, Mahnke, 1822

Johanna Petrovitsch, Katharina Anzböck