Alfred Hrdlicka

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Porträt Alfred Hrdlicka, Christian Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Alfred Hrdlicka (*1928 in Wien, gestorben am 5. Dezember 2009 in Wien) galt als einer der bedeutendsten österreichischen Bildhauer, Grafiker, Maler, Zeichner und Schriftsteller. Eines seiner Werke ist das Denkmal Ignaz Philipp Semmelweis, im Arkadenhof der Universität Wien.

Leben

Alfred Hrdlicka wurde am 27. Februar 1928 in Wien als Sohn eines überzeugten und aktiven Kommunisten und Gewerkschaftsfunktionärs geboren.

Von 1943 bis 1945 legte Hrdlicka eine Zahntechnikerlehre ab, die ihn in Feinmotorik schulte. Dies half ihm später im Bereich der Bildhauerei.

Anschließend, von 1946 bis 1952 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste Wien, Malerei und Grafik, bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky. Von 1953 bis 1957 folgte dort auch ein Studium der Bildhauerei bei Fritz Wotruba.

Nebenbei führte er intensive Anatomiestudien in Wiener Fleischhallen durch. Dies führte – wie auch lebenslang unmittelbare Erfahrungen aus der Welt psychisch Kranker- zu einer körperbetonten, anthropologischen Grundeinstellung gegenüber der Wirklichkeit und der Kunst mit einem Menschenbild, das primär von der Leiblichkeit, der Inkarnation, also der Verbindlichkeit und dem Primat des Körpers für alle psychischen und sozialen Prozesse gekennzeichnet ist.

Der Künstler blieb lebenslang politisch engagiert: Von 1947- 56 war er Mitglied der kommunistischen Partei Österreichs und bezog drastisch öffentlich Stellung, wenn es um politische Ereignisse oder Entscheidungen ging. Hier wären die Dr. Karl Renner-Büste im Wiener Rathauspark, als auch das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Wiener Albertinaplatz und das antifaschistische Denkmal Feuersturm in Hamburg zu nennen. Auch das Holzpferd, welches er gemeinsam mit Manfred Deix anfertigte, zeigte seine Auseinandersetzung mit der damaligen Waldheim- Affäre.

Seit 1962 war Hrdlicka Mitglied der Wiener Sezession. Der Gekreuzigte wurde für die Eröffnungsausstellung des Museums des 20. Jahrhunderts erworben. 1963 wurde er Leiter der Bildhauerklasse an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg. Gemeinsam mit Herbert Boeckl vertrat Hrdlicka Österreich auf der 32. Biennale 1964 in Venedig, was zu seiner internationalen Berühmtheit führte. 1966 bezog er das Prater- Atelier, welches das ehemalige Gebäude der Weltausstellung 1873 gewesen war.

Schaffen

Hrdlicka setzte sich entgegen den abstrakten Tendenzen der damaligen Zeit, für eine expressiv behandelte Figürlichkeit ein. Diese wurde zu einem markanten Merkmal seines Stils.

Der Künstler befasste sich theoretisch mit der Psychoanalyse, in seiner Kunst steht allerdings die menschliche Figur, das heißt der Leib des Menschen, im Vordergrund. Dies wird vor allem in einem Zitat deutlich, in dem er sagte: „Alle Macht in der Kunst geht vom Fleische aus.“ [1] Hrdlickas Menschenbild versteht den Menschen als integralen Bestandteil einer animalischen Natur, in seiner Veranlagung, seinem Empfinden, Verhalten und Handeln. Neben der Körperlichkeit wird er von seiner Triebhaftigkeit und Sexualität, als auch durch eine angeborene Tendenz zur Aggression, beeinflusst. [2]

In seinen Sujets lies sich Hrdlicka durch Figuren der klassischen Literatur (unter anderen Faust, Woyzeck, Lenz, Penthesilea, Hamlet) oder Künstlerpersönlichkeiten (Schubert, Wagner, Hölderlin, Stifter, Tolstoi, Rodin, Mondrian, Hogarth und Géricault), aber auch von Gewalttätern (Massenmörder der 1920er Jahre in Hannover, Friedrich Haarmann, der Giftmörderin Martha Beck in New York), römischen Gladiatoren, türkischen Sultanen, Schachspielern, Sportlern und anderen beeinflussen.

Der Künstler setzte sich vor allem mit unterschiedlichen politischen Faktoren (Machtstreben, Dominanz, Krieg, etc.) und historischen Ereignissen (Bauern- und Türkenkriege, französische und russische Revolution, Hitler – Attentat am 20. Juli 1944, dem Marxismus, dem Zweiten Weltkrieg, der deutschen Wiedervereinigung, etc.) auseinander. Er wird als Anti- Faschist verstehbar, da er selbst die Gewalt des Hitler-Faschismus miterlebte. Vor allem war politische Gewalt Stoff in seiner humanistischen Kunst.[3] An dieser Stelle ist der Zyklus Wie ein Totentanz zum 20. Juli 1944 ein passendes Beispiel. Seine Blätter sind Auseinandersetzungen und Abrechnungen mit dem Verbrechen der Nazis und mit den Ereignissen des Offiziers-Aufstandes vom 20. Juli 1944. Gleichzeitig stellt der Zyklus eine Erneuerung der Historienkunst dar. [4]

Werk

Hrdlicka stellte als Bildhauer eine Ausnahme dar, weil er den Stein noch immer selbst, ohne maschinelle oder personelle Unterstützung, bearbeitete. Der Künstler arbeitete auch mittels Grafik und Zeichnung, um seine Stoffe in ihrer Breite des Ereignisshaften, in ihrer Fülle von Gestalten und Aspekten, in ihrer Dichte und Gültigkeit in hauptsächlich vielgestaltigen Figuren im Raum darzustellen.[5]

Weiters nutzte er die Form von Zyklen, welche er in ein künstlerisch – bildnerisches Verhältnis zur Skulptur stellte.[6] Roll over Mondrian von 1966 kann vor dem Hintergrund der Ablehnung des Abstrakten gesehen werden. Schlussendlich zeigen die „leeren Bilder“ Mondrians eine Variation des Grundthemas Appollisch/Dionysisch. Er schuf dabei jedoch eine Verbindung zu Gegenwart. Dies wird beispielsweise bei Karfreitag beobachtet werden – dort zeigt er Christus im Hinblick auf die Gewalt der damaligen Zeit. Hrdlicka verweigerte mit Ausnahme des österreichischen Staatspreises für Bildhauerei 1968 alle Ehrungen.

Werke (Auswahl):

  • Marsyas I, 1955
  • Gekreuzigter, 1959
  • Porträt O. Kokoschka, 1963
  • Dr.-Karl-Renner-Büste, Wien, 1967
  • Denkmal für F. Engels, Wuppertal 1981
  • Bronzefries über den Serienmörder F. Haarmann in Hannover, 1991
  • Mahnmale gegen den Faschismus in Hamburg und Wien
  • "Gegendenkmal" , Hamburg, 1985/86
  • "Marsyas", Mahnmal Wien, 1988
  • "Mahnmal gegen Krieg und Faschismus", Skulptur, Wien, 1988-91
  • Restituta-Skulptur, Wien, 2009
  • Radierzyklen:
  • Martha Beck, 1963
  • Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, 1964
  • Haarmann, 1965/66
  • Randolectil, 1968
  • Bühnenbilder:
  • Theater:
  • Faust I/II, Bonn 1982
  • König Lear, Köln 1994
  • Oper:
  • Intolleranza von Luigi Nono, Stuttgart 1992
  • Ring des Nibelungen, Meinigen 2001
  • Der König Kandaules, Salzburger Festspiele, 2002

Ausstellungen (Auswahl):

  • 1960: Wiener-Kunsthalle, Zedlitzgasse (Gemeinschaftsausstellung mit Fritz Martinz)
  • 1962: Künstlerhaus, Französischer Saal, Wien (Gemeinschaftsausstellung mit Fritz Martinz)
  • 1963: Ausstellungspavillon im Zwerglgarten, Salzburg
  • 1964: 32. Biennale (Venedig), gemeinsam mit Herbert Boeckl
  • 1967 Beteiligung an der 9. Biennale Sao Paulo
  • 1968 Albrecht- Dürer-Gesellschaft Nürnberg, Gesamtwerk;
  • 1969 Albertina Wien: Überblick über das graphische Gesamtwerk
  • 1973 Teilnahme Biennale Middelheim
  • 1975 Nationalgalerie Berlin, Einzelausstellung
  • 1976: St. Louis, Mo.: "art in stuttgart 1976" (Ausstellungsbeteiligung)
  • 1977: Stuttgart: "Kunst im Stadtbild", ("Marsyas I", "Sonny Liston", "Sterbender")
  • 1980: BAWAG Fondation, Wien, Ausstellung der frühen Grafiken
  • 1981: Neue Galerie Linz, Beteiligung an „Christusbild im 20. Jahrhundert“

Palais Auersperg, Wien erste Einzelausstellung des plastischen Werks

  • 1994: "Zeichnung - Malerei - Skulptur". Aus Beständen der Galerie Hilger und Privatbesitz. (Museum St. Ingbert)
  • 2008: Werkschau in der Kunsthalle Würth (Schwäbisch Hall)[25]
  • 2008: Dommuseum Wien: Religion, Fleisch und Macht - das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka
  • 2008: Bildungsverein der KPÖ Steiermark: Alfred Hrdlicka: Skulptur, Mischtechnik, Zeichnung, Grafik aus der Sammlung Arsenschek
  • 2010: Belvedere, Wien: Alfred Hrdlicka. Schonungslos!

Literatur

  • Beyer 2005: Andreas Beyer (Hg.), Allgemeines Künstlerlexikon: Allgemeines Künstlerlexikon, 75, Berlin u.a.
  • Hrdlicka 1981: Alfred Hrdlicka. Das Plastische Werk, hg. von Collectors Club, 1981, Wien.
  • Husslein/Weidinger 2010: Agnes Husslein – Arco/Alfred Weidinger (Hg.), Alfred Hrdlicka. Schonungslos!, Wien 2010.
  • Pohl/Fitschen 2000: Matthias Poh/Jürgen Fitschen, Alfred Hrdlicka. Der Tod und das Mädchen. Werke 1944-1997, Magdeburg 2000.
  • Schubert 2007: Dietrich Schubert, Alfred Hrdlicka. Beiträge zu seinem Werk, Worms 2007.

Weblinks

  • Artikel zum Tod Hrdlickas in der Zeit Online: [1]
  • Artikel zum 80. Geburtstag des Bildhauers in der Zeit Online: [2]
  • Offizielle Hompage des Künstlers: [3]
  • Eintrag zu Hrdlicka auf Wikipedia: [4]
  • Eintrag zu Hrdlicka im Austria-Forum: [5]

Einzelnachweise

  1. Schubert 2007, S. 9.
  2. Beyer 2005
  3. Schubert 2007, S.9.
  4. Schubert 2007, S.112.
  5. Schubert 2007, S.11.
  6. Schubert 2007, S.109.

Redigiert: Elena Koren SoSe 2014