Alfonso Canciani

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb. 1: Alfonso Canciani
Abb. 2: Josef Engelhart, Der Bildhauer Alfonso Canciani, 1907, Bronze, H. mit Sockel: 55,5 cm.

Alfonso Canciani (*11.12.1863 Brazzano di Cormons, † 03.10.1955 Triest) war ein italienischer Bildhauer und Medailleur.

Leben

Alfonso Canciani wurde am 11. Dezember 1863 als Sohn des Steinmetzes Lodovico Canciani und der Maddalena Coceanig in Brazzano geboren. Noch bevor er sein dreizehntes Lebensjahr erreicht hatte, arbeitete er im Steinbruch von Sanguarzo bei Cividale del Friuli und in Aurisina als Steinmetzlehrling. Als er zwanzig Jahre alt war, zog er nach Wien, wo er ab 1883 in einer Marmorwerkstadt eine Anstellung fand. 1886 studierte er in Wien an der Akademie der Bildenden Künste und gewann dort einige Preise. Seine Lehrer waren unter anderem Edmund Hellmer, Carl Kundmann und Kaspar Clemens Eduard Zumbusch.

1896 gewann er mit einer Skizze für das Dante-Monument ein dreijähriges Romstipendium, welches er auch wahrnahm. In Rom lernte er dann auch Joseph Maria Olbrich kennen. Canciani fertigte einen Gips-Bozzetto für das Dante-Monument, welches auf der Espos. internaz. in Venedig ausgestellt wurde.

Im Jahr 1900 wurde er mit dem Reichelpreis in Wien geehrt, dabei handelt es sich um die höchste Auszeichnung des österreichischen Staates für einen Künstler. Canciani zog 1918 nach Gorizia, wo er nur zwei Jahre später als Nachfolger von Antonio Camaur, den Lehrstuhl für Plastik an der Scuola Industriale Triest antrat. Dieses Lehramt hatte er bis 1935 inne.

Alfonso Canciani war an Ausstellungen in Triest, Cormons, Wien (Sezession), München, Berlin und Rom beteiligt. Er interessierte sich für die Arbeit von Constantin Meunier und dessen kraftvollen Realismus. Seinen Lebensabend beschloss Canciani im italienischen Triest, am 3. Oktober 1955.[1]

Schaffen

Alfonso Canciani sagte selbst folgendes über seine Arbeiten: "In Wirklichkeit wurde meine Kunstanschauung von einem Grossteil der Sezessionisten nicht geteilt. Sie tendierten dazu, eine sogenannte moderne Kunst zu kreieren, verbunden mit der Veränderung der oberflächlichen Form, während ich der Ansicht war, dass sich der Wert des Kunstwerks nicht nur von der Oberfläche herleitet, sondern aus der Tiefe und der Lösung eines guten Gedankens, und aus der Klarheit der Darstellung, gleichgültig in welchem Stil."[2]

Nach seiner akademischen Ausbildung wendete sich Canciani der Wiener Secession zu. Er orientierte sich bald am kraftvollen Realismus von dem Künstler Constantin Meunier, der Themen, wie die Verherrlichung der Arbeit oder soziale Fragen in seinen Werken behandelte. Alfonso Canciani schuf sowohl realistische Denkmäler als auch Statuen, Kleinbronzen und Medaillons. Unter seinen Werken finden sich unter anderem Darstellungen von monarchischen Würdenträgern, wie die Denkmäler für Kaiserin Elisabeth (Bronze von 1904, 1934 zerstört) und Kaiser Franz Joseph (Gips-Bozzetti für den Jagendorf-Wettb., 1908, nicht ausgef.) und für Zar Alexander II. (Gips, um 1910, verloren).

Canciani wurde aber auch für seine vielfach gestalteten Kleinbronzen gelobt. Seine Motive nahm er häufig aus der Arbeitswelt und er stellte oftmals soziale Konflikte dar. Wenig erforscht sind hingegen seine Medaillon-Arbeiten. Er fertigte Medaillons für Papst Benedikt XV. (1917), ein Gedächtnis-Medaillon der Italienischen Kolonie in Wien (1919) und ein Medaillon für die Sparkasse in Triest (1942).

Kaiser Franz Joseph von Österreich unterstützte Canciani, indem er ihm die Ausführung des Dante-Entwurfes in größerem Maßstab ermöglichte. Dieses Werk war Teil einer Ausstellung der Wiener Sezession von 1900. Alfonso Canciani erhielt dafür den Künstlerpreis. Für die Denkmal-Konkurrenz zum Gedächtnis der Kaiserin Elisabeth schuf Canciani einen Entwurf, der 1908 für die Waisenanstalt in Gföhl in Marmor ausgeführt wurde und zu den hervorragendsten Arbeiten des Konkurses zählte. 1903 gestaltete Canciani ein Denkmal für den Anatom Karl Langer von Edenberg und ein Relief für den Chemiker Hugo Weidel im Arkadenhof der Universität Wien.[3] Alfonso Cancianis wurde am 27.5.1915 als ordentliches Mitglied im Künstlerhaus Wien aufgenommen.[4]

Aber auch Portraits gehörten zu seinem Repertoire. Unter anderem bildete er Zamboni, Nietzsche und Richard Wagner ab. Canciani war ein Künstler, der kraftvoll aus sich heraus Lösungen von künstlerischen Fragen entwickelte. Er erreichte trotz oder vielleicht sogar wegen seiner einfachen unmittelbaren Ausdrucksweise, eine packende Wirkung.[5]

Werke

  • 1901 Bauplastiken auf dem Artaria-Haus am Kohlmarkt: Industrie, Landwirtschaft
  • 1904 Denkmal für Kaiserin Elisabeth in Pula (zerstört 1956)
  • 1906 Denkmal für den Chemiker Hugo Weidel im Arkadenhof der Universität Wien
  • 1903 Denkmal für Anatom Karl Langer von Edenberg im Arkadenhof der Universität Wien
  • 1911 Bauplastiken an der Wiener Börse, Allegorien (zerstört 1956)
  • 1912 Grabtafel des Apostolischen Nuntius Allesandro Bavona im Stephansdom in Wien
  • 1914 Bauplastiken auf dem Hotel Bristol: Allegorien
  • 1903 Technische Universität Wien, Karlsplatz: Denkmal Anton Schrötter Ritter von Kristelli, Bronze, 1903
  • 1908 MAK. - Univ. (ehem.): F. Nietzsche, Marmorbüste, 1908.
  • 1910 Medailleurarbeit Rektorskette und Rektorszepter der Veterinär-medizinischen Universität Wien
  • 1917 Medaillon Papst Benedikt XV.
  • 1919 Gedächtnismedaillon der italienischen Kolonie in Wien
  • 1942 Medaille für die Sparkasse Triest

Literatur

  • Kitzmüller 1987: Hans Kitzmüller, Alfonso Canciani in Wien, CA-BV Wien, Ausstellung vom 11. Mai bis zum 27. Mai 1987.
  • DaNova 1992: Renata DaNova, Alfonso Canciani: uno scultore friulano nella Secessione Viennese, Cormons, Palazzo Locatelli, luglio - ottobre 1992.
  • De Gruyter Allgemeines Künstlerlexikon 2014: Internationale Künstlerdatenbank - Online, bereitgestellt von der Österreichischen Nationalbibliothek. Seite besucht am 28.06.2014.
  • Neues Wiener Journal 1915: Neues Wiener Journal, Unparteiliches Tagblatt, Nr. 7756, 23. Jahrgang, vom 29.05.1915, S. 9: Mitteilung über die Aufnahme Alfonso Cancianis am 27.5.1915 als ordentliches Mitglied im Künstlerhaus Wien.

Einzelnachweise

  1. De Gruyter Allgemeines Künstlerlexikon 2014.
  2. Kitzmüller 1987, S. 5. Zitat von Canciani.
  3. De Gruyter Allgemeines Künstlerlexikon 2014.
  4. Neues Wiener Journal 1915.
  5. De Gruyter Allgemeines Künstlerlexikon 2014.

Darstellungen


Hanna Sumislawska-Glessner, Verena Sulzbachner, Magdalena Fleming