Alfons Dopsch

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Fotografie von Dopsch

Alfons Dopsch (*14. Juni 1868 in Lobositz, Nordböhmen; † 1. September 1953 in Wien) war ein böhmisch-österreichischer Geschichtsforscher und Vertreter der Wiener historischen Schule. Im Arkadenhof der Universität Wien befindet sich das von dem Bildhauer und Medailleur Arnold Hartig geschaffene Denkmal für Alfons Dopsch.

Leben

Alfons Dopsch wurde am 14. Juni 1868 in Lobositz, Nordböhmen geboren. Nach dem Gymnasium in Leitmeritz begann er 1886 ein Studium der Geschichte in Wien und promovierte vier Jahre später. In den drauffolgenden Jahren war Dopsch Mitglied des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, wo seine kritische Denkweise gegenüber traditioneller Geschichtsforschung gefördert wurde.[1] Unter Theodor von Sickel konzentrierte er sich auf das Mittelalter und Urkundenlehre. Die Mitarbeit an der Forschung und Herausgabe der Karolinger Urkunden gemeinsam mit Engelbert Mühlbacher im Jahre 1892, im Rahmen der Monumenta Germaniae Historica[2], führte zu Dopsch´ Wissen über frühmittelalterliche Quellen der fränkischen Zeit.[3] Außerdem bildete die Zusammenarbeit das Fundament für seine zukünftigen Forschungen und vermittelte Dopsch eine wertvolle quellenkritische Schulung.[4] 1893 habilitierte er sich als Privatdozent für österreichische Geschichte und fünf Jahre später wird er zum außerordentlichen Professor für Geschichte der Universität Wien ernannt. Im Jahr der Jahrhundertwende zum ordentlichen Professor der Universität Wien. Im selben Jahr heiratet er Marie von Ficker, die Tochter des deutschen Historikers Julius von Ficker. Dopsch sollte bis zum Jahre 1938 bzw. bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten Professor an der historischen Fakultät der Universität bleiben.[5]

Die zum 70. Geburtstag verfasste Festschrift legt Zeugnis von Dopsch´ akademischen Verdienst ab, fasst sie Schriften von ihm selbst und seiner Schüler und Freunde zusammen. 1953 erhielt er den Ehrenring der Stadt Wien und verstarb im selben Jahr am 1. September.[6] Der Historiker wurde am Sieveringer Friedhof bestattet und zum Namensgeber einer Straße im 22. Wiener Gemeindebezirk.

Schaffen

Die Forschungsgebiete seiner frühen Jahre reichen von der österreichischen Territorialgeschichte und mittelalterlichen Urkundenlehre bishin zur Verfassungsgeschichte. Die intensive Beschäftigung mit österreichischer Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte resultierte in dem Werk „Ausgewählte Urkunden zur Verfassungsgeschichte der deutsch-österreichischen Erblande“ das er gemeinsam mit Freiherr von Schwind publizierte. Es bildet seither eine akademische Basis zur Ausbildung von historischen Wissenschaftern.[7] Literarische Werke der folgenden Jahre handeln von bereits genannten Themen, doch Dopsch veröffentlichte überdies diplomatische Abhandlungen, die auf den karolingischen Urkunden beruhten.

Um 1910 beschäftigte sich Dopsch mit dem allgemeinen deutschen Mittelalter sowie der Geschichtsforschung, im Besonderen der Wirtschafts- und Sozialforschung sowie der Kulturgeschichte. Die Auseinandersetzung mit dem Mittelalter resultierte in der These, dass ein volles Verständnis dieser Zeit nur durch ein intensives Studium der Karolinger möglich sei. Die zwei Bände des Werks „Die Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit vornehmlich in Deutschland“ (1912-13) behandeln Dopsch´ Ansatz. Erst diese Forschungen veranlassten ihn, noch tiefer in die deutsche Geschichte vorzudringen, wodurch Dopsch nicht nur eine respektable, internationale Reputation erlangte. Die deutsche Geschichte sollte auch die Basis für sein wohl bedeutendstes, zwei-bändiges Werk hervorbrachte „Wirtschaftliche und soziale Grundlagen der europäischen Kulturentwicklung aus der Zeit von Cäsar bis auf Karl den Großen“ (1918-20) bilden.

Einige seiner Publikationen stellen theoretische Auseinandersetzungen mit gegensätzlichen wissenschaftlichen Lehrmeinungen dar, denn es darf nicht vergessen werden, dass die kritische Auseinandersetzung Dopsch´ größter wissenschaftlicher Verdienst war. Die kämpferische Natur übte vor allem Kritik an den kanonischen Thesen der Sozial-, Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte[8], vertreten von K. Lamprecht und K. Th. v. Inama-Sternegg. Dopsch´ neue Sicht auf die Forschung war eine auf der geschichtlichen Wahrheit basierende und nicht die Auseinandersetzung mit Lehrmeinungen.[9] Dem Vertreter der Wiener historischen Schule gelang es, die etablierte Forschungsmeinung über den Übergang von der Antike zum Mittelalter zu berichtigen, indem er die „Evolutions- anstatt der Katastrophentheorie“ anwandte. Diese verstand den Übergang vom Altertum zum Mittelalter als Prozess und zwar die Völkerwanderung. Somit ist der Höhepunkt seiner Schaffensphase in die Zeit stärkster theoretischer Gegenpole zu datieren.

Ein weiterer Verdienst des Wissenschaftlers ist die Zusammenführung von Archäologie und historischer Forschung, wobei sein Grundsatz des „Wie und nicht Ob“ auf diese These, wie auf alle anderen anzuwenden ist.[10]

Während die Dissertation des Historikers noch in der Tradition der Heimat stand, wandte er sich bald von der Thematik ab und widmete sich größeren historischen Zusammenhängen. Erst 1918 konzentrierte er sich erneut auf Böhmen und Mähren, im Besonderen die historische Position der Deutschen in diesen Gebieten.

1922 gründete er das Seminar für Wirtschafts- und Kulturgeschichte in Wien[11], dessen Leiter er wurde nachdem er einen Ruf nach Berlin ablehnte. Während seiner langjährigen Lehrtätigkeit brachte Dopsch eine Vielzahl an führenden Historikern aus aller Welt hervor, wovon einige die akademische Laufbahn einschlugen, die Thesen ihres Lehrers fortsetzten und literarisch Dopsch´ Erbe weiterleben ließen. Der moderne Geist des Historikers kam auch in „Die Geschichtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen“ zum Vorschein, worin Dopsch selbstreflektierend seine eigene Entwicklung beleuchtete.

Die Mitgliedschaft in zahlreichen Akademien, der Ehrendoktor mehrerer Universitäten sowie die Vertretung der österreichischen Geschichtswissenschaft in internationalen Organisationen betonen Dopsch´ zentrale Rolle in der Etablierung einer beweisbaren Geschichtsforschung und die Relevanz seiner Thesen für die nationale und internationale Wissenschaft.[12]

Werke

Neben den bekannten Publikationen und Überarbeitungen älterer Werke verfasste Dopsch auch zahlreiche Schriften und Aufsätze. Hier sind die bedeutendsten aufgelistet.

  • Das Treffen von Lobositz (Dissertation), Wien 1890.
  • Ausgewählte Urkunden zur Verfassungsgeschichte der deutsch-österreichischen Erblande im Mittelalter, mit Ernst Freiherr von Schwind, Innsbruck 1895.
  • Landesfürstlichen Urbare Österreichs, 1904-1910.
  • Die Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit vornehmlich in Deutschland, 1912-1913.
  • Wirtschaftliche und soziale Grundlagen der europäischen Kulturentwicklung aus der Zeit von Cäsar bis auf Karl den Großen, 2 Bände, 1918-1920.
  • Die historische Stellung der Deutschen in Böhmen , in: Rudolph Lodgman, Deutschböhmen, 1919.
  • Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte, 1930.
  • Herrschaft und Bauer in der deutschen Kaiserzeit, 1939.
  • Die Geschichtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen, hg. von Steinberg 1925.

Einzelnachweise

  1. Brunner 1959, abgerufen 14. November 2013.
  2. Mayer 1955, S.214.
  3. Brunner 1959, abgerufen 14. November 2013.
  4. Mayer 1955, S.213-214.
  5. Brunner 1959, abgerufen 14. November 2013.
  6. Mayer 1955, S.213.
  7. Mayer 1955, S.214.
  8. Brunner 1959, abgerufen 14. November 2013.
  9. Mayer 1955, S.214.
  10. Mayer 1955, S.214-215.
  11. Mayer 1955, S.216.
  12. Brunner 1959, abgerufen 14. November 2013.

Literatur

  • "Brunner 1959": Otto Brunner, Neue Deutsche Biographie 4, Berlin 1959.
  • "Mayer 1955": Thomas Mayer, Historische Zeitschrift, Band 179, S. 213-216, 1955.
  • "Hanna Vollrath": Alfons Dopsch. In: Hans-Ulrich Wehler hg: Deutsche Historiker. Band 7, Göttingen 1980, S. 39–54.
  • "Thomas Buchner": Alfons Dopsch (1868–1953). Die „Mannigfaltigkeit der Verhältnisse“. In: Karel Hruza (Hrsg.): Österreichische Historiker 1900–1945. Lebensläufe und Karrieren in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei in wissenschaftsgeschichtlichen Porträts, Wien 2008.

Weblinks

Darstellungen


Christina Anderle, Katharina Anzböck