Adolf Mussafia

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Adolf Mussafia, Foto vor 1905
Abb. 2: Kaspar Clemens Eduard Zumbusch, Denkmal für Adolf Mussafia, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1912.
Adolf Mussafia (* 15. Februar 1835 in Spalato/Split, Dalmatien; † 7. Juni 1905 in Florenz) war ein bedeutender Romanist und für die Gründung und den Ausbau der Romanistik an der Universität Wien verantwortlich. Um an sein Wirken und Schaffen zu erinnern wurde 1912 im Arkadenhof der Universität Wien die von dem Bildhauer Kaspar Clemens Eduard Zumbusch geschaffene Porträtbüste für Adolf Mussafia enthüllt.

Leben

Adolf Mussafia entstammte einer dalmatinischen Rabbinerfamilie, besuchte das Gymnasium in Spalato (Split) und kam 1852 als Siebzehnjähriger nach Wien, um an der Universität Medizin zu studieren. Dieses Studium erfüllte ihn mit Widerwillen, und er floh nahezu ohnmächtig aus dem Seziersaal. Seine angeborene Lehrbegabung zeigte sich beim Unterrichten an Schüler in italienischer Sprache. Italienisch war zu dieser Zeit Amts- und Schulsprache in Dalmatien. Seine Überlegenheit in der Dante-Literatur und ausgezeichnete Rednergabe kamen auch bei den italienischen Übungen zum Ausdruck. Daraufhin wurde Mussafia 1855 mit dem Lektorat für italienische Sprache betraut.[1] [2] [3]

Zusätzlich bereitete er deutsche und italienische Lehramtskandidaten für Gymnasien mit italienischer Unterrichtssprache auf ihre Prüfungen vor und weitete seine Lehrveranstaltungen auch auf den Bereich der historischen Grammatik aus. In Erweiterung seiner Tätigkeit umfasste seine Vortragsreihe 1859/1860 die "Historische Grammatik der italienischen Sprache mit besonderer Berücksichtigung der anderen romanischen Sprachen", ferner "Einleitung in die Laut- und Formenlehre des Italienischen", "Lektüre und Erklärung von Dante's Paradiso" und "Quellen und Elemente der göttlichen Komödie".[4]

Obwohl Mussafia kein Philosophie-Studium absolviert hatte, wurde er 1860 außerordentlicher Professor der romanischen Sprachen und Literaturen an der Universität Wien, 1867 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen Professor. Um Mussafia auch als Prüfer bei Rigorosenprüfungen bestellen zu können, wurde ihm über Antrag des philosophischen Doktorenkollegiums am 27. Juni 1869 vom Unterrichtsministerium die vom Kaiser genehmigte Ernennung zum Ehrendoktor verliehen. In der Zeit von 1857 bis 1877 war er als Beamter in der Hofbibliothek tätig und hatte eine Vorliebe für die Studien in den Handschriften. Im Jahre 1872 lehnte er zwei Berufungen, eine nach Florenz und die andere nach Straßburg, ab. Er fühlte sich bodenständig in Wien.[5]

1871 wurde Mussafia Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien, ebenso war er Mitglied der Akademien in Berlin, Paris, Rom und Madrid. Sein großer Verdienst liegt in der durchschlagskräftigen Mitgestaltung der Begründung der Romanistik in Wien in Zusammenarbeit mit Prof. Wilhelm Meyer-Lübke. Mussafia bereitete den Boden für die Glanzzeit der Wiener romanistischen Schule vor, die mit der Berufung Meyer-Lübkes und Beckers seit den 1890er Jahren weltweite Anerkennung erfuhr.[6]

1901 wurde Mussafia zum Mitglied des Herrenhauses ernannt und versuchte auf diesem Wege seinen Einfluss für die Schaffung einer italienischen Universität in Triest geltend zu machen. Er stieß mit dieser Forderung auf Widerstand mit der Begründung, dass für die Errichtung neuer Universitäten keine finanziellen Mittel zur Verfügung stünden.[7]

Seit seiner Kindheit litt Mussafia an einem Rückenmarksleiden, das im Alter zu Lähmungserscheinungen führte. Trotz Kuraufenthalten in Rocegno und Riva und einem längeren Aufenthalt in Florenz erlag er am 7. Juni 1905 seinem Leiden in Florenz. Nach Einäscherung auf dem Friedhof von Trebbiano kam die Asche zunächst nach Wien. Frau Mussafia veranlasste später die Überführung der Asche wieder nach Florenz und Beisetzung auf dem Cimiterio degl' Inglesi, wo die Grabstätte noch heute an Adolf Mussafia erinnert.[8]

Neben dem Denkmal Adolf Mussafia im Arkadenhof der Universität Wien hängen zwei Erinnerungstafeln in der Pausenhalle des Instituts für Romanistik im Campus der Universität Wien und erinnern an Mussafia (Abb. 3) und Meyer-Lübke (Abb. 4).
Abb. 3: Adolf Mussafia, Erinnerungstafel, Institut für Romanistik, Campus der Universität Wien
Abb. 4: Wilhelm Meyer-Lübke, Romanist, Erinnerungstafel, Institut für Romanistik, Campus der Universität Wien

Schaffen

Mussafia beschäftige sich schon während seiner Lektorentätigkeit intensiv mit dem praktischen italienischen Sprachunterricht, dem er 1860 das bis heute weiterlebende Lehrbuch "Die italienische Sprachlehre in Regeln und Beispielen" widmete. Dieses Lehrbuch machte seinen Namen auch außerhalb der gelehrten Kreise bekannt.[9] Es erschien in vielfachen Auflagen, später bekannt als "Der Neue Mussafia" (1935) bzw. "Der neueste Mussafia" (1981).

Sein Interesse galt auch der historischen Sprachwerdung und dem gesamten Gebiet der Romanistik. Sein OEuvre umfasste 336 Titel, die sich auf folgende Gebiete verteilen: Texteditionen und Textkritik zu altitalienischen und altfranzösischen Manuskripten, Untersuchungen zum praktischen Sprachgebrauch des Italienischen und des Rumänischen, Abhandlungen zu Dialektstudien zum Altitalienischen. Ein bedeutender Teil der Forschung Mussafias liegt in Rezensionen, viel beachtet wurde die Rezension zur Decamerone-Ausgabe Pietro Fanfanis, 1857.[10] So sehr Mussafia das Gesamtgebiet der romanischen Literaturen mit ihren gegenseitigen Beeinflussungen übersah, hat er eine rein literturgeschichtliche Arbeit nur ein einziges Mal vorgelegt, "Die Italienische Literatur Dalmatiens", worin er einen vollständigen Überblick der Volks- und Kunstdichtung seiner Heimat gibt.[11]

Werke (Auswahl)

  • Italienische Sprachlehre in Regeln und Beispielen, 1860, 32. Auflage bearb. von E. Maddalena 1925; dann unter dem Titel "Der Neue Mussafia", Wien 1935, 11. Auflage 1962; dann unter dem Titel "Der neueste Mussafia", Wien 1981, 15. Auflage 1999.
  • Altfranzösische Gedichte aus venezianischen Handschriften, 1864.
  • Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Band Dalmatien, 1892.
  • Zur Kritik und Interpretation romanischer Texte, 6 Teile, in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl. Bd. 134-37, 1896-98, Bd. 1901, Bd. 145, 1903.

Einzelnachweise

  1. ÖBL, Band 7, S. 3 - 4.
  2. Richter 1932, S. 168 - 193.
  3. WZ,11. Juni 1905.
  4. Richter 1932, S. 169.
  5. Richter 1932, S. 180.
  6. ÖBL, Band 7, S. 3 - 4.
  7. Richter 1932, S. 181.
  8. Richter 1932, S. 183.
  9. WZ, 11. Juni 1905.
  10. ÖBL, Band 7, S. 3 - 4.
  11. Richter 1932, S. 177.

(ÖBL = Österr. Biografisches Lexikon) (WZ = Wiener Zeitung)

Literatur

  • Österr. Biografisches Lexikon (ÖBL), 1815 - 1950: Band 7, S. 3 - 4, Online-Ausgabe.
  • Richter 1932: Elise Richter, Adolf Mussafia. Zur 25. Wiederkehr seines Todestages, in: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, Band 55, Jena/Leipzig 1932, S. 169 - 193.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse: Adolf Mussafia Nachruf, von Dr. Bernhard Dimand, in: Neue Freie Presse, 5. Juni 1905, S. 6 - 7.
  • Wiener Zeitung: Nachruf Adolf Mussafia, von Univ.-Prof. Wilhelm Meyer-Lübke, in: Wiener Zeitung, 11. Juni 1905, S. 8 - 9.

Weblinks


Christa Dobrzanski, Katharina Anzböck