Adolf Merkl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Fotografie von unbekanntem Fotografen aus Merkls späteren Jahren ohne Datum[1]

Adolf Julius Merkl (* 23.03.1890 in Wien; † 22.08.1970 ebda.) war ein österreichischer Jurist für Staats- und Verwaltungsrecht und Mitgestalter der österreichischen Bundesverfassung. Sein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien wurde von Ferdinand Welz gestaltet und 1990 enthüllt.

Leben

Von 1908 bis 1912 studierte Merkl an der Universität Wien und erhielt dann das so genannte Ab­so­lu­to­ri­um, die Bestätigung, dass die vorgeschriebenen Lehrveranstaltungen besucht wurden. Nach dem Erwerb der Doktorwürde im folgenden Jahr war Merkl nach seiner Gerichtspraxis im Verwaltungsdienst der Stadt Wien und ab 1917 im Handelsministerium tätig. Ab März 1918 arbeitete er im staatsrechtlichen Büro des k. k. Ministerialpräsidiums. Ein Porträt des letzten Ministerpräsidenten, Heinrich Lammasch, steht im Arkadenhof. Im November 1918 wurde Merkl dem designierten Staatskanzler der neuentstandenen Republik Deutsch-Österreich, Karl Renner, zugeteilt. Somit war Adolf Merkl an den Vorarbeiten für das österreichische Bundes-Verfassungsgesetz beteiligt. 1919 habilitierte sich Merkl mit einer Schrift zu diesem Thema für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Wien. 1920 wurde er außerordentlicher Professor, 1933 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt, wobei Merkl schon drei Jahre früher den gleichnamigen Titel verliehen bekam. In den nächsten beiden Jahren war er Dekan der Wiener juridischen Fakultät. 1938 von den Nationalsozialisten "bis auf weiteres" beurlaubt und 1939 in den Ruhestand versetzt. Ab 1941 war er in Tübingen, von 1950 bis 1965 wieder in Wien aktiv. [2]

Merkl war Ehrenpräsident des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes.

Er wird als genügsamer und distanzierter Mensch beschrieben, der sich aber für seine Anliegen engagiert einsetzte. Außerdem sei er persönlich nicht glücklich und am Ende seiner Berufslaufbahn unzufrieden gewesen. Als ein möglicher Grund wird die Nicht-Ernennung zum Verfassungsrichter genannt. Auch sei er mit der Wohnsituation unzufrieden gewesen, weil er bei seiner Rückkehr nach Wien 1950 keine Wohnung hatte und das kleine Sommerhaus seiner Schwiegereltern im 19. Bezirk am Pfarrplatz 1 beziehen musste. [3]

Adolf Julius Merkl starb am 22. August 1970 und wurde am Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab beigesetzt.[4]

Schaffen

Merkl war ein Weggefährte von Hans Kelsen und war sogleich Mitbegründer der Reinen Rechtslehre (siehe Eintrag über Hans Kelsen). [5] Er besuchte Kelsens Privatseminar an der Wiener Universität (1911-1914) und war mit seinem Lehrer wesentlich an der Erarbeitung der österreichischen Verfassung beteiligt.

Als besonders wichtig kann sein Beitrag zum Verwaltungsrecht gelten, der mit der so genannten Lehre vom Stufenbau der Rechtsordnung zusammenhängt. Die entscheidende Erkenntnis Merkls war es, dass die Endgestalt des Rechtes sich nicht allein aus dem vom Gesetzgeber beschlossenen Gesetz ergibt, sondern genauso durch die Anwendung des Gesetzes durch das Gericht und die Verwaltung. Man kann daher davon ausgehen, dass das Recht stufenförmig aufgebaut ist und nicht im Gesetzgebungsverfahren "das Recht erzeugt" wird, sondern erst im Vollstreckungsverfahren. [6]

Neben der Entwicklung des österreichischen Verfassungssystems war Merkl sehr am Naturschutz und seinen rechtlichen Voraussetzungen interessiert und somit ein Vorkämpfer des Naturschutzes.[7]

Schriften

(in Auswahl):

  • Die Verfassung der Republik Deutsch-Österreich. Ein kritisch-systematischer Grundriss, 1919.
  • Die Lehre von der Rechtskraft, entwickelt aus dem Rechtsbegriff, 1923.
  • Demokratie und Verwaltung, 1923.
  • Allgemeines Verwaltungsrecht, 1927.
  • Die ständisch-autoritäre Verfassung Österreichs. Ein kritisch-systematischer Grundriss, 1935.

Einzelnachweise

  1. https://www.wien.gv.at/rk/historisch/1965/images/merkl.jpg
  2. Schambeck 1990 S. 7-27
  3. Schambeck 1990, S. 24-25.
  4. Czeike 2004, S. 245.
  5. Hans Kelsen
  6. Schambeck 1990, S. 14-15.
  7. Walter 1987, S. 304.

Literatur

  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 4, Wien 2004, S. 245.
  • Grussmann 1989: Wolf-Dietrich Grussmann, Adolf Julius Merkl. Leben und Werk, Wien 1989.
  • Schambeck 1990: Herbert Schambeck, Leben und Wirken von Adolf Julius Merkl, Wien 1990.
  • Schambeck 1994: Schambeck, Herbert, „Merkl, Adolf Julius“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 157 f.
  • Walter 1987: Robert Walter, Adolf Julius Merkl, in: Wilhelm Brauneder (Hg.), Juristen in Österreich 1200-1980, Wien 1987, S. 300-304, S. 339-340.

Weblinks

Darstellungen


David Berger, Gabriele Böhm-Nevole