Adalbert Duchek

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Adalbert Duchek, Lithographie, Künstler unbekannt
Abb. 2: Adalbert Duchek, Gedenkbild anlässlich seines Todes
Abb. 3: Denkmal Adalbert Duchek im Arkadenhof der Universität Wien von Josef Grünhut

Adalbert Duchek (* 1. Dezember 1842 in Prag; † 2. März 1882 in Wien), war Internist und Pathologe der Wiener Medizinischen Schule. Er war Leiter des Lehrstuhls für klinische Medizin an der Wiener Universität und gilt aufgrund seiner wissenschaftlichen Tätigkeit als einer der ersten Laboratoriums-Mediziner. Sein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien wurde von Josef Grünhut angefertigt und 1901 enthüllt.

Leben

Adalbert Duchek wurde als Sohn eines Arztes in Prag geboren wo er auch sein Medizinstudium absolvierte. 1848 promovierte er mit dem Thema „Über die Wirbeltuberculose“ und arbeitete anschließend bis 1850 als Sekundararzt an der Prager Irrenanstalt.

Duchek galt als hervorragender Diagnostiker und Therapeut und wurde von seinen Patienten hoch geschätzt. Er war Mitarbeiter und Herausgeber diverser medizinischer Handbücher und Fachzeitschriften, wie zum Beispiel von 1861 bis 1870 der Wiener Medizinischen Jahrbücher und der Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Ärzte zu Wien.[1]

Bei seinen Schülern war er wegen seiner klaren und verständlichen Vorträge äußerst beliebt, zudem er sich auch für hilfsbedürftige Studenten aktiv einsetzte. Unter seinen Schülern waren der Internist Franz Chvostek sowie der spätere Primararzt der Wiener Rudolfstiftung und Vorstand der II. Medizinischen Universitätsklinik Edmund von Neusser.

Duchek wohnte in Wien nahe des Allgemeinen Krankenhauses in der Währinger Straße 12 und starb am 2. März 1882. Er wurde auf dem Friedhof in Weidling bestattet.[2]

In Wien wurde die Duchekgasse im 22. Bezirk nach ihm benannt.

Schaffen

Seine berufliche Laufbahn begann Duchek nach seiner Promotion als Sekundararzt an der Prager Irrenanstalt, ab 1850 war er Assistent an der dortigen Universitätsklinik bei Josef Hamernik. 1855 kam er als Professor der medizinischen Klinik für innere Medizin an die medizinisch-chirurgische Lehranstalt nach Lemberg, 1856 bis 1858 war er in derselben Funktion an der Heidelberger Universität tätig, danach folgte seine Berufung an die medizinische Klinik der Sanitätsakademie in Wien.

Nach der Wiedereröffnung der medizinisch-chirurgischen Josephsakademie (= Josephinum) wirkte er dort von 1858 bis 1871 als Professor der medizinischen Klinik unter Carl Langer Ritter von Edenberg,[3] der die wissenschaftliche Forschung massiv unterstützte.

1871 übernahm er nach dem Abgang Joseph Skodas den Lehrstuhl für klinische Medizin an der 1. Medizinischen Universitätsklinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, dem er bis zu seinem Tod angehörte.

Ducheks Spezialgebiet lag in der Pathologie der Organe, des Kreislaufs, der Atmung, der Verdauung und der Harnorgane. Er forderte „Studien über die krankhaften Lebensvorgänge, über das Werden jener pathologischen Producte, über das innere Verhalten des Organismus ihnen gegenüber.“[4] Sein Ziel war es, wissenschaftliche Medizin als Zusammenwirken von klinischer Praxis, Anatomie und pathologischer Physiologie zu betreiben.

Bereits als Assistent von Josef Hamernik in Prag versuchte er die morphologisch-diagnostische Richtung der Wiener und Prager Schule nach der pathophysiologischen Seite hin aufzusprengen und sie auf das Gebiet der Stoffwechsel- und Nervenkrankheiten hin auszudehnen. Das führte vor allem nach Hamerniks Suspendierung zu umfangreicher Beschäftigung mit pathologischer Anatomie und Chemie,[5] so unter anderem mit Harnchemie sowie zu – allerdings ergebnislosen – Untersuchungen verschiedener Stoffwechselveränderungen unter dem Einfluss unterschiedlicher Lebensmittel aber auch von Skorput.[6]

Seine Forschung betrieb er mit großer Leidenschaft: „Jede ausschließlich praktische Richtung hindert den Fortschritt“ bemerkte er 1861, denn wissenschaftliche Forschung hieße auch und zunächst „ohne jede Beziehung auf das alltägliche Leben“ betrieben zu werden.[7] So forderte er bereits damals die „Pathologie der Atome“ und war einer der Ersten in der Laboratoriumsmedizin.[8] Die Interne Medizin, lange Jahre Impulszentrum der Wiener Medizinischen Schule, hatte in den 1860er Jahren zugunsten anderer Zweige verloren. Vor allem die Chirurgie und die Gynäkologie waren mit der Einführung der Antiseptik zu neuen Höhen gelangt. Duchek erkannte, dass ein Stillstand in der Entwicklung diesen Zweig der Wiener Medizinischen Schule in Abhängigkeit zu anderen bringen würde. Dennoch setzte er, als er 1871 die Nachfolge von Josef Skoda an der Universität antrat, seine ehemaligen Forderungen nicht um.[9] Die klinische Praxis hatte ihn zu stark gegenüber der wissenschaftlichen Arbeit im Laboratorium aber auch als Schriftsteller in Anspruch genommen.

Sein Hauptwerk Die Krankheiten des Herzens, des Herzbeutels und der Arterien, das bereits 1862 erschien, behandelt das Hauptthema seiner Schule zwar „vorzüglich, aber durchaus in traditionell pathologisch-anatomischer und diagnostischer Weise“.[10]

Schriften

Auswahl:

  • Über die Wirbeltuberculose, Dissertation, 1848.
  • Die Krankheiten des Herzens, in: Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie, Band 1, 1862.
  • Die Krankheiten der Kreislaufs-, Athmungs-, Verdauungs-, der Geschlechts- und Harnorgane, in: Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie, Band 1, Erlangen 1862.
  • Krankheiten der Venen, Lymphgefäße und der Nasenhöhlen, in: Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie, Band 2, 1864.
  • Scorbut (Scharbock), scorbutus, in: Pitha / Billroth (Hg.), Handbuch der allgemeinen und speciellen Chirurgie, I, 2. Abt. A, Erlangen 1876.
  • Mitherausgeber der Wiener medizinischen Jahrbücher 1861 bis 1870.
  • Mitherausgeber der Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Ärzte zu Wien.

Literatur

  • Czeike 2004: Felix Czeike (Hg.), Historisches Lexikon Wien, 2, Wien 2004.
  • Gerabek 2007: Werner Gerabek u.a. (Hg.), Enzyklopädische Medizingeschichte, Berlin 2007.
  • Lesky 1978: Erna Lesky, Die Wiener Medizinische Schule im 19. Jahrhundert, Graz / Köln 1978.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • ÖBL 1957: Akademie der Wissenschaften (Hg.), Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Band 1, Graz / Köln 1957, S. 201.
  • Pagel 1901: J. Pagel, Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts, Berlin/ Wien 1901, Sp. 419.
  • Wyklicky 1985: Helmut Wyklicky, Das Josephinum, Wien 1985.

Rezeption in der Presse

  • Medizinische Wochenschrift 1882: Adalbert Duchek, in: Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 9, 3. März 1882, S. 255-258.
  • Presse 1882: Adalbert Duchek verstorben, in: Neue Freie Presse, Nr. 6292, 3. März 1882, S. 5.

Einzelnachweise

  1. Pagel 1901, Sp. 419.
  2. Czeike 2004, S. 105.
  3. Lesky 1978, S. 247.
  4. Lesky 1978, S. 308.
  5. Medizinische Wochenschrift 1882, S. 256.
  6. Lesky 1978, S. 309.
  7. Gerabek 2007, S. 415.
  8. Lesky 1978, S. 106.
  9. Lesky 1978, S. 308.
  10. Lesky 1978, S. 309.

Gabriele Böhm-Nevole