Ľudmila Cvengrošová

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Ľudmila Cvengrošová in ihrem Atelier mit dem Gipsmodell der päpstlichen Medaille, um 1999. Foto: Peter Hudec/TASR (Presseagentur der Slowakischen Republik)

Ľudmila Cvengrošová (* 18.6.1937 in Radošina, Slowakei) ist eine der bekanntesten zeitgenössischen slowakischen Bildhauerinnen. Sie beschäftigt sich in Ihren Werken hauptsächlich mit den Themen der slowakischen bzw. slawischen Geschichte. Cvengrošová ist die Schöpferin der zwei Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, die zwei Professoren slawischen Ursprungs darstellen: des Denkmals Ján Kollár und des Denkmals Karol Kuzmány, welche 1998 enthüllt wurden.

Leben

Ľudmila Cvengrošová ist als drittes von fünf Kindern von Elena Cvengrošová und Štefan Cvengroš geboren. Sie stammt aus einer Lehrerfamilie und hat ihre Kindheit in Radošina, in der Slowakei verbracht. Ihre künstlerische Ausbildung begann 1951-1954 an der Mittelschule für Angewandte Kunst in Bratislava bei Prof. Teo Lugs, wo sie Keramik studierte. Danach studierte sie Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Bratislava bei Prof. Rudolf Pribiš. [1]

1962-1969 war Cvengrošová Mitglied des Vereins der slowakischen bildenden Künstler. Ihre Mitgliedschaft in diesem Verein wurde wegen ihrer ablehnenden Position zum Eintritt der Truppen des Warschauer Paktes in die damalige Tschechoslowakei gekündigt.[2]

Am 17. Juli 1999 besuchte sie Papst Johannes Paulus II. in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo. Cvengrošová hatte anlässlich des XXI. Jubiläums seines Pontifikats eine päpstliche Medaille gefertigt, wofür sich der Papst persönlich bedankte.[3]

2007 wurde der Künstlerin vom slowakischen Präsidenten Ivan Gašparovič das staatliche Ehrenzeichen "Ľudovít-Štúr-Orden" verliehen.[4]

Ľudmila Cvengrošová hat einen Sohn (Mario, geb. 1970) und lebt in Bratislava.

Schaffen

Ľudmila Cvengrošová bei archäologischen Ausgrabungen an der Burg Devín bei Bratislava, September 1986. Foto: Karol Pieta, in: Kolník, Titus: Ľudmila Cvengrošová a dávne Slovensko, Prešov, 2010, S. 177.

Ihr künstlerisches Schaffen, das hauptsächlich Reliefs, Skulpturen und Medaillen umfasst, kann man thematisch in 3 Gruppen teilen:

  • 1. Werke, die von der Geschichte der Slowakei inspiriert sind,
  • 2. Werke, die von den Auslandsreisen der Künstlerin inspiriert sind,
  • 3. Werke, die ihr persönliches Leben widerspiegeln.[5]

Die Künstlerin beherrscht mehrere handwerkliche Techniken und arbeitet hauptsächlich mit Holz, Metall, Stein und gebranntem Ton. In ihren Werken, die von der slawischen Geschichte inspiriert wurden, und in denen sich gleichzeitig Cvengrošovás großes archäologisches Interesse deutlich widerspiegelt, kommen Themen aus einem breitem Spektrum vor: Urzeit, erste Ackerbauer, ältere Eisenzeit, Kelten, Germanen, Awaren, Römer, Slawen, slawische Fürsten und Großmährisches Reich.

Werke (Auswahl)

Radovan Živný (nach Ľudmila Cvengrošová): Hl. Kyrill und Method, Sand, über 5,5m hoch, 2011, Nitra.

Es sind vor allem die überlebensgroßen Skulpturen mit historischer und christlicher Thematik an wichtigen öffentlichen Plätzen in der ganzen Slowakei, die die Künstlerin bekannt gemacht haben. Das bekannteste Werk ist der sog. BIATEC, das seit 2008 vor der Slowakischen Nationalbank in Bratislava steht. Biatec war eine keltische Münze aus dem 1. vorchristlichen Jh. (benannt wahrscheinlich nach einem keltischen Fürst), die auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bratislava/Pressburg ausgegraben wurde.[6]

1990 wurde in der slowakischen Stadt Nitra die überhaupt größte Skulptur, welche die zwei griechischen Brüder, den Hl. Kyrill und den Hl. Method (die bereits im 9.Jh. die Evangelien in die altkirchenslawische Sprache übersetzt hatten) darstellt, enthüllt. Die Skulptur wurde heftig diskutiert, da ihre Darstellungsweise noch an die vor dem Jahr 1989 (d.h. während des kommunistischen Regimes) gefertigten Skulpturen erinnerte: es gibt kein einziges Kreuz auf der ganzen Skulptur, auch nicht auf der Bibel; und auch dem Hl. Method fehlen seine typischen bischöflichen Attribute. Anlässlich des großen Jubiläumsjahres 2013, 1150 Jahre seit der Ankunft der Brüder in das damalige Großmährische Reich, wurde im Sommer 2011 vom tschechischen Künstler Radovan Živný auf dem Hauptplatz in Nitra eine fast 6m hohe Kopie der Skulptur aus Sand gefertigt.

  • 1987 (enthüllt 2008) - "Biatec", Bronzemedaille, 3m Durchschnitt, Slowakische Nationalbank Bratislava.
  • 1990 - Hl. Kyrill und Method - Bronze, überlebensgroß (mehr als 3 Meter hoch), Nitra.
  • 1998 - Denkmal Ján Kollár und Denkmal Karol Kuzmány im Arkadenhof der Universität Wien - Reliefs, Bronze.
  • 1999 - Medaille für den Papst Johannes Paulus II.
  • 2002 - Denkmal Alexander Dubček - Bronze, Alexander-Dubček-Platz in Bratislava.
  • 2005 - Rastislav - Epoxidharz, überlebensgroß, Devín bei Bratislava.

Ausstellungen (Ausland)

  • 1968- Ägypten (Kairo, Alexandria, Asuan)
  • 1969 - zweiter Preis auf dem internationalen Wettbewerb auf dem Smithsonian Institution in Washington, USA
  • 1973 - Biennale di Dante in Ravenna, Italien
  • 1983 - Brünn, Tschechien
  • 1985 - Bitterfeld, Deutschland
  • 1986 - Altenburg, Deutschland
  • 1987 - Nürnberg, Frankfurt/Main, Deutschland
  • 1988 - Devín, Statue Fürst Rastislavs
  • 1988 - Warschau, Polen
  • 1993 - Budapest, Ungarn und Sofia, Bulgarien
  • 1994 - Bukarest, Rumänien
  • 1996 - Katowice, Polen
  • 1997 - Stockholm, Schweden

Literatur

  • Kolník 2010: Kolník, Titus: Ľudmila Cvengrošová a dávne Slovensko. Medaily, reliéfy, sochy, Prešov 2010.
  • Slovník českých a slovenských výtvarných umělců 1950-1997, Bd.I, Ostrava 1998, S. 281.

Einzelnachweise

  1. Kolník 2010, Umschlag.
  2. Kolník 2010, Umschlag.
  3. http://www.sme.sk/c/2198910/ludmila-cvengrosova-u-papeza.html, Stand 7.2.1014.
  4. http://www.sme.sk/c/3465398/prezident-udeloval-vyznamenania.html, Stand 7.2.1014.
  5. Kolník 2010, Umschlag.
  6. http://zivot.azet.sk/clanok/1356/dockala-sa.html, Stand 7.2.1014.

Weblinks

Darstellungen


Barbora Trebichalska, A0507553

Redigiert: Elena Koren SoSe 2014, Theresa Rosner, Sommersemester 2014